Tiefschlag für Lugo

Luiyi Lugo hat sich die Rückkehr ins Freiamt anders vorgestellt. Wegen Verletzungen konnte er noch keine Partie durchspielen. Gestern Donnerstag folgt die überraschende Schockdiagnose.

Quelle: Josip Lasic, Wohler Anzeiger

Der bisherige Saisonverlauf des FC Wohlen lässt sich mit dem gleichen Satz beschreiben, wie die Rückkehr von Luiyi Lugo zum FCW: Ganz okay, aber es würde noch besser gehen.

Der Stürmer sitzt am vergangenen Mittwochnachmittag in einem Café in der Nähe des Bahnhofs Zürich Stadelhofen. Er wartet dort auf seinen Termin beim Sportarzt, dessen Praxis in der Nähe ist. Ein MRI steht an für den Fussballer. Muskuläre Probleme quälen ihn.

Ein 11 cm langer Riss

Kurz vor dem MRI-Termin steht noch ein Foto an. Die Sonne scheint in Zürich. Der Stürmer stellt sich vor dem Opernhaus auf. «Wie wäre es mit einem Bild, das etwas Positivität ausstrahlt?», fragt er und streckt lächelnd beide Daumen nach oben. Er hofft, wenn nicht gegen Höngg, dann zumindest eine Woche später im Spitzenspiel gegen Biel auflaufen zu können.

Gestern Donnerstag folgt die überraschende Schockdiagnose. Der Muskel im Adduktorenbereich weist einen 11 cm langen Riss auf. Dieser wird nicht operiert, sondern muss wie eine Schnittwunde verheilen. Ausfallzeit: drei Monate. Die Vorrunde ist für den Rückkehrer vorbei. So hat sich der 26-Jährige sein Comeback beim FC Wohlen nicht vorgestellt. Wieso die Ärzte dies nicht früher erkannt haben, bleibt ein Rätsel.

Halbes Dutzend Partien in Challenge League

Vor fünf Jahren versucht der Offensivmann sein Glück bereits im Freiamt. In der Saison 2015/16 ist der damals 21-Jährige Teil des Challenge-League-Kaders der Wohler. Die Konkurrenz in der Offensive ist gross. Nico Abegglen, Samir Ramizi, Mergim Brahimi, Alain Schultz. Lugo kommt in der zweithöchsten Spielklasse des Landes zu sechs Kurzeinsätzen, spielt im Schnitt neun Minuten – aufgerundet. Als der FCW im Winter noch Cristian Ianu verpflichtet, wird der Spieler mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik zu YF Juventus verliehen. Am Saisonende verlässt er Wohlen und kehrt zu seinem Stammverein Baden zurück.

Diesmal soll alles anders werden. Wohlen, mittlerweile in der 1. Liga classic, verpflichtet den Stürmer in der Sommerpause. In der Medienmitteilung schreibt der Club: «Mit 1,89 m ein klassischer 9er, der mit seinen Skorer-Qualitäten für noch mehr Gefahr in der gegnerischen Box sorgen soll.» Die Beschreibung klingt nach einem perfekten Ersatz für den abgewanderten Goalgetter Davide Giampà. Auch Lugo freut sich auf die neue Herausforderung. Er wechselt von Wettswil-Bonstetten zu Wohlen, weil ihn die Ambitionen des Clubs reizten. «Bei Wettswil-Bonstetten hat man trotz Potenzial nie so direkt formuliert, dass man in die Aufstiegsspiele will.»

Der FCW will in die Aufstiegsspiele und Luiyi Lugo soll sie dorthin schiessen. So der Plan. Die Realität sieht anders aus: Wohlen hat nach acht Spielen nur drei Siege und insgesamt 13 Punkte auf dem Konto. Der Stürmer konnte erst ein Tor erzielen, hat drei Spiele verletzungsbedingt verpasst und stand in den restlichen fünf im Schnitt nur 55 Minuten auf dem Feld.

Im letzten Spiel, gegen die U21 der Grasshoppers Zürich muss der Sportler nach 65 Minuten raus. Eine Woche vorher gegen Solothurn nach 61 Minuten, ebenfalls wegen Schmerzen. Zwischen den beiden Partien trainiert der Athlet nicht. Dass er gegen die Zürcher überhaupt eingesetzt wird, liegt daran, dass Luigi Milicaj und Vilson Doda ebenfalls verletzt sind.

Während die restlichen Offensivspieler des FCW alle kleinere, schnelle, dribbelstarke Akteure sind, bringt der 1,89 m grosse Lugo andere Voraussetzungen mit. Das Muskelpaket stellt die gegnerischen Abwehrreihen körperlich und kraftmässig vor andere Herausforderungen. «Das körperliche Spiel ist meine Stärke. Damit konnte ich in zwei Saisons bei Wettswil-Bonstetten immerhin 33 Tore erzielen», erzählt er. «Und das Spiel ist ein anderes, wenn ein kräftigerer Stürmer wie ich vorne spielt.»

Vor zwei Wochen gegen Solothurn zeigt Lugo sein Können. Eine Aktion reicht ihm, um im Stil eines Knipsers zu treffen und das Spiel zu entscheiden. Von solchen Toren würde der FC Wohlen mehr benötigen. Sie werden sie frühestens in der Rückrunde bekommen. «Ich falle lieber jetzt aus als im Endspurt der Meisterschaft, wenn es um alles geht. Aber es tut schon sehr weh.» Jetzt geht es für Lugo primär darum, fit zu werden, damit er in der Rückrunde angreifen kann. Doch zuerst muss er die Schockdiagnose erstmals verdauen.


Konzentriert ins Cup-Spiel

Gegen Höngg muss FCW-Trainer Thomas Jent seine zweite Sperre nach der Roten Karte gegen Solothurn absitzen. Das Team wird erneut von Co-Trainer Alessandro Vicedomini betreut. Für den 31-Jährigen ist es die dritte Partie als «Chef», nach dem 2:2 gegen die U21 von GC am letzten Spieltag und dem 3:0-Sieg gegen Langenthal in der vergangenen Saison. «Ich habe bisher immerhin kein Spiel verloren», sagt er lachend. Diese Serie will er auch gegen Höngg bestätigen. Anders als in der Meisterschaft wird es im Cup aber sicher einen Verlierer geben. Ist der Druck für den jungen Trainer dadurch grösser? «Nein. Wir wollen schlichtweg alles geben für den Sieg, damit der FC Wohlen in der nächsten Saison wieder einen grossen Gegner im Cup erwarten kann.» Die verletzten Luiyi Lugo, Luigi Milicaj und Luca Thaler stehen dem jungen Mann nach wie vor nicht zur Verfügung. Dafür kehren immerhin Vilson Doda und Esat Balaj in das Team zurück. «Wir dürfen Höngg trotzdem nicht unterschätzen», sagt Vicedomini abschliessend. –jl