Fussball. 1. Liga classic: Wohlen – Zug (Samstag, 16 Uhr) – Es gilt Maskenpflicht in den Niedermatten
Der FC Wohlen wird den hohen Erwartungen nicht gerecht. Das Team hat schon zwölf Punkte Rückstand auf Leader Biel und steht «nur» auf dem 5. Rang. «Bislang ist es nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben», sagt FCW-Trainer Thomas Jent. Auf Spurensuche nach Gründen.
Quelle: Stefan Sprenger, Wohler Anzeiger
647 Zuschauer auf den Rängen. Elf top motivierte Wohler auf dem Feld, die den ungeschlagenen Leader fordern wollen. In der Tissot-Arena im Duell zwischen dem FC Biel und dem FC Wohlen war alles angerichtet für ein Fussballfest. «Die Stimmung im Team war toll. Wir waren bereit», sagt FCW-Trainer Thomas Jent und fügt naserümpfend hinzu: «Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir gewonnen hätten, hätten wir mit elf Mann spielen können.» Doch Verteidiger Nikola Bozic fliegt nach zehn Minuten und der zweiten Gelben Karte vom Platz. Gar nicht clever. In Unterzahl ist Wohlen ohne Chance. Es gibt eine 0:3-Pleite. Jent fragt sich: «Wieso? Wieso passieren uns immer wieder solche Dinge?»
In der Saison 2020/21 scheint beim FC Wohlen immer «etwas» zu sein, das einen Sieg verhindert. «Eine durchzogene, schwierige Spielzeit», meint Jent. 13 Punkte aus neun Spielen – zu wenig für die Mannschaft, zu wenig für das FCW-Umfeld. Gegen Kellerkinder wie Schötz und Goldau gab es nur ein Unentschieden. «Das tut weh», meint Jent und fügt an: «Wir haben ein paar Spiele vergeigt.» In diesen Spielen kam auch von ihm als Trainer zu wenig Input von der Seitenlinie.
Vor dem Start redete man von den Aufstiegsspielen. Die Realität ist der 5. Rang. «Natürlich, wir wollen mehr», so Jent. Doch der FC Wohlen kassiert immer wieder kleine Nackenschläge. Was sind die Gründe, dass Wohlen in dieser Saison kein Spitzenteam ist?
Die Gründe sind vielseitig
Grund Nummer 1: die Ausfälle. In der Vorsaison blieb das Team praktisch verschont von Ausfällen der Leistungsträger. Ganz anders in dieser Corona-Spielzeit. «Wir konnten noch kein Spiel mit der Stammelf bestreiten», so Trainer Jent. Stürmer Luiyi Lugo, der als Ersatz für Topskorer Davide Giampà geholt wurde, bemerkte seine Verletzung nicht, spielte auch deshalb unter den Erwartungen und erzielte gerade mal ein Tor. Nun fällt er den Rest der Vorrunde aus. Ebenfalls kaum dabei ist Vilson Doda. Der Offensivtornado, der letzte Saison noch gross auftrumpfte, kommt bislang verletzungsbedingt auf vier Spiele und ein Tor. «Lugo und Doda sind zwei unserer stärksten Offensivspieler. Wenn die ausfallen, spüren wir das», so Jent. Hinzu kommen viele Spieler mit kleineren Blessuren – und der FCW kassiert auffällig viele Spielsperren. Alleine im Monat Oktober müssen Trainer Thomas Jent, Spielmacher Ronny Minkwitz und Verteidiger Nikola Bozic nach einer Roten Karte jeweils zwei Spielsperren absitzen. Anders als bei den Verletzungen muss sich der FCW bei den Sperren mangelnde Cleverness vorwerfen lassen.
Der Graben wird grösser
Grund Nummer 2: Das Kader ist zu schmal. Fallen Leistungsträger aus, ist die Mannschaft nicht in der Lage, diese Ausfälle zu kompensieren. Der FCW ging bewusst mit einem kleinen Kader in die Saison. Die Qualität der ersten Elf ist hoch. Die Idee: Erfolgreich spielen und dann junge Talente (auch aus der zweiten Mannschaft) integrieren und ihnen eine Chance ermöglichen, in der 1. Liga classic Erfahrungen zu sammeln. Fehlt der Erfolg, ist dieses Vorhaben einiges schwieriger und komplizierter. Fakt ist: Die Qualität einiger Spieler genügt (noch) nicht für dieses Niveau. Das Kader ist schlicht zu dünn.
Grund Nummer 3: das mentale Problem. Trainer Jent sagt: «Fallen ein bis zwei Leistungsträger aus, sollte das Team trotzdem die Qualität haben, dies zu kompensieren.» Doch dazu ist man momentan nicht in der Lage. Das Team ist mental fragil. «Wir kassieren immer wieder kleine Nackenschläge, die uns sofort aus der Bahn werfen», so Jent. Sei es eine Verletzung im Spiel, ein Gegentor, ein Platzverweis oder ein fragwürdiger Schiedsrichterentscheid. «Nicht schon wieder», denken sich die FCW-Akteure dann. Und es braucht wenig, bis die Wohler in ein Loch fallen. «Die Frustrationsgrenze ist tief», meint Jent.
Vor dem Heimspiel gegen Zug (es herrscht Maskenpflicht in den Niedermatten) sagt der FCW-Trainer: «Wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nach vorne nicht verpassen.» Zug hat ebenfalls 13 Punkte auf dem Konto. «Die letzten fünf Spiele vor der Winterpause sind wegweisend», so Jent. Klammert sich der FC Wohlen an der Spitze fest oder fällt man ins tiefe Mittelfeld zurück? Leader FC Biel hat schon zwölf Punkte mehr, der FC Baden (2. Rang) sechs Punkte. Der Graben wird immer grösser.
Noch 15 Punkte bis zur Pause
Im Restprogramm hat es nur ein Team, das vor dem FCW klassiert ist: der FC Langenthal. Nach dem Heimspiel gegen Zug an diesem Samstag, geht es am Sonntag (1. November, 15 Uhr) auswärts nach Langenthal. Am Samstag (7. November, 16 Uhr) folgt bereits das letzte Heimspiel der Vorrunde gegen Delémont. Danach muss der FCW vor der Winterpause noch zwei Auswärtsspiele gegen Muttenz (14. November) und Buochs (21. November) bestreiten. «Gewinnen wir alle fünf Spiele, holen wir 15 Punkte, dann sind wir wieder ganz vorne dabei», meint Jent. Wenn es denn so einfach wäre.
Gegen Zug werden wieder Stammkräfte fehlen. Luiyi Lugo fehlt verletzt, Marko Muslin und Vilson Doda sind fraglich. Ronny Minkwitz, Nicolas Künzli und Nikola Bozic sind gesperrt. Einen Lösungsansatz hat Trainer Jent bereit: «Wir müssen nicht in jedem Spiel brillieren, aber gewinnen.» Hoffnungsvoll meint er weiter: «Irgendwann müssen diese äusseren Einflüsse auch aufhören.»