Der FC Wohlen hat sich von der Vorrunde mehr erhofft. VR-Präsident André Richner, Leiter Sport Adrian Meyer, Trainer Thomas Jent und Captain Marko Muslin äussern sich zu den Leistungen der Mannschaft in den ersten zehn Spielen der Saison und erklären, was im Frühling besser laufen muss. –jl
Hoffen auf Besserung
FC Wohlen: Captain, Trainer, VR-Präsident und der Leiter Sport bilanzieren die Vorrunde
Die Vorrunde ist nicht wie gewünscht gelaufen. 10 Spiele, 16 Punkte – zu wenig für den ambitionierten FC Wohlen. Wo sind die Probleme? Und was erhofft man sich für die Zukunft?
Quelle: Stefan Sprenger, Josip Lasic, Wohler Anzeiger
Die fahrlässig verspielten Punkte gegen Schötz, Goldau und Bassecourt sorgen für den grössten Frust. Gegen diese Kellerkinder konnte der FC Wohlen nicht gewinnen. «Hätten wir diese gewonnen, wären wir mit dem FC Baden auf dem 2. Rang», sagt Adrian Meyer, Leiter Sport. So ist es nur der 5. Platz, sechs Punkte hinter Baden, neun Zähler hinter Leader Biel. Die Vorrunde des FCW: «Durchzogen. Wir sind nicht da, wo wir sein möchten», so Meyer.
Probleme in der Abwehr, Probleme in der Offensive
Gründe dafür gibt es etliche. Beispielsweise die vielen verletzten und gesperrten Spieler. «Das darf keine Ausrede sein», so Meyer. Denn: «In der Abwehr haben wir es dem Gegner jeweils enorm einfach gemacht, Tore zu erzielen.» Das Abwehrproblem erwähnt auch André Richner, VR-Präsident des FCW. Er ergänzt: «Im Angriff brauchen wir zudem zu viele Chancen. um ein Tor zu schiessen.» Die vielen Verletzungen schreibt Richner der langen und harten Vorbereitung zu. «Das hat den Spielern alles abverlangt und sich negativ auf die Gesundheit ausgewirkt.»
Was Richner am meisten störte: «Durch die vielen Gelben und Roten Karten haben wir uns oft selber geschlagen. Das Team inklusive Staff hat da zu wenig Cleverness in heiklen Situationen gezeigt und sich provozieren lassen.» Immerhin: Im letzten Spiel vor dem coronabedingten Saisonunterbruch hat man eine klare Steigerung gesehen. Es gab einen diskussionslosen 3:1-Erfolg gegen Zug. «Der Teamgeist und der Zusammenhalt sind ein Highlight für mich», so Richner. Nur kann der FC Wohlen dies nicht immer auf den Platz bringen.
Positiv blicken VR-Präsident Richner und der Leiter Sport Meyer in die Zukunft. «Wir werden stärker in die Rückrunde starten, da bin ich mir sicher», meint etwa Richner. Adrian Meyer ergänzt: «Im Frühling werden die Karten neu gemischt und ich bin überzeugt, dass wir die Qualität haben, um uns mindestens über den 3. Rang für die Aufstiegsspiele zu qualifizieren.» In der 1. Liga classic qualifizieren sich jeweils die besten zwei Teams pro Gruppe für die Aufstiegsspiele – plus die besten zwei Drittplatzierten. «Es wird ein hartes Stück Arbeit. Der Trainer und die Mannschaft sind auf dem Prüfstand», so Meyer.
Zu viele Nebenschauplätze statt nur Fussball
Trainer Thomas Jent wehrt sich gegen die Vorwürfe des Abwehrproblems. «Verglichen mit letzter Saison verteidigen wir besser als Team», sagt er. «Damals war ja immer das Problem, dass wir zwei, drei Gegentore kassiert haben. Das haben wir besser im Griff. Das Problem ist mehr in der Offensive zu suchen.» Auch die Gelben Karten will Jent in einen Zusammenhang setzen. Nur fünf von insgesamt 29 Verwarnungen seien wegen Reklamierens gewesen. «Viele Karten waren taktische Fouls. Das gibt es bei Teams, die offensiv spielen wollen wie wir.»
Die Roten Karten für ihn, Ronny Minkwitz und Nikola Bozic bezeichnet der Trainer aber als weniger clever. Auch die Verletzungen will er nicht als Ausreden hinstellen. «Es sind Erklärungen. Für mich wäre es schlimmer, wenn ich nicht wüsste, wo unsere Probleme liegen.» Gerade die Verletzungen nimmt er zu einem Teil auf seine Kappe. «Ich glaube, dass ich die konditionelle Verfassung der Spieler nach der langen Coronapause falsch eingeschätzt habe.»
Für Jent ist klar, dass sich das Team zu lange selbst unter Druck gesetzt und nicht darauf konzentriert hat, Fussball zu spielen. In den letzten Spielen kam das Selbstvertrauen etwas zurück. Dem stimmt auch Captain Marko Muslin zu. «Der Unterbruch kam uns nicht entgegen. Ich hatte den Eindruck, dass wir auf gutem Weg waren, uns in einen Lauf zu spielen. Von den letzten vier Spielen der Vorrunde hätten wir sicher mehrere gewonnen.» Muslin geht davon aus, dass das Team zur Winterpause dann auf Rang 3 oder 2 gestanden hätte. «Dann würde niemand von einer schlechten Vorrunde sprechen.»
Optimismus für Rückrunde
Aber auch er will keine Ausreden suchen. «Es ist klar, dass wir bessere Ergebnisse hätten einfahren müssen. Besonders die Spiele gegen Schötz und Goldau schmerzen noch», erklärt er. «Uns hat oft Erfahrung, Cleverness und manchmal auch Glück gefehlt.» Der Captain ist überzeugt, dass sich die Mannschaft in der Rückrunde steigern wird und das Ziel Aufstiegsspiele erreicht. Dafür arbeiten Team und Staff zu gut. «Die Stimmung ist super. Und welchen Aufwand der Staff mit Trainingsvorbereitung und Videoanalysen betreibt, um uns vorzubereiten, kenne ich so aus vielen meiner Profistationen nicht.»
«Können noch einen draulegen»
Der Trainer stimmt seinem Captain in allen Punkten zu. «Wenn wir alle Spieler an Bord haben, können wir noch einen draulegen. Es war nicht alles gut in der Vorrunde, aber es gab gute Ansätze, auf denen wir aufbauen können», so Jent. «Ich mache mir mehr Sorgen, dass die Meisterschaft erneut abgebrochen wird, als dass wir nicht unter die ersten drei kommen.»