Einer, der «Gras frisst»

Ex-Regionalfussballstar Andy Bächer vom FCW

Er ist der Sohn des ehemaligen FCW-Goalie Willy Bächer und der Bruder von Urs Bächer. Darauf kann man den ehemaligen Wohler Einwohnerrat aber nicht reduzieren. Andy Bächer schrieb im Fussball seine eigene Geschichte.

Andy Bächer wirkt wie die Vielseitigkeit in Person. Einst Schulhausabwart im Junkholz, Einwohnerrat, Lehrer für Werken in Waltenschwil, Arbeiter auf der Verwaltung in der Alterssiedlung Chappelehof und natürlich Fussballer. All das sind Tätigkeiten, denen Andy Bächer nachgegangen ist, oder immer noch nachgeht.

Anders als sein Bruder Urs, der in zahlreichen Clubs im Kanton Aargau gekickt hat, war Andy Bächer – ein kurzes Aarau-Intermezzo ausgenommen – dem FC Wohlen immer treu. Ob als Spieler oder später als Funktionär. Auf dem Feld bezeichnet er sich als «giftigen» Spieler. Diese Art hat einmal zu einem Streit zwischen ihm und seinem Bruder geführt, der den FC Wohlen indirekt den Aufstieg gekostet hat. –jl


«Regionalfussball-Stars von früher»: Andy Bächer vom FC Wohlen

Abgesehen von einem dreijährigen Intermezzo bei den Junioren des FC Aarau war Andy Bächer dem FC Wohlen immer treu. Ein Seitenbandabriss und ein Kapselbruch haben den Sprung nach ganz oben verhindert. In Wohlen ist er dennoch ein Fussballheld.

Quelle: Josip Lasic, Wohler Anzeiger

 

31. Mai 1987. Der FC Wohlen spielt vor 1500 Zuschauern im Paul-Walser-Stadion gegen Rapid Ostermundigen. Es ist ein Aufstiegsspiel für die 1. Liga. Aussenverteidiger André Bächer, der in Wohlen nur als «Andy» bekannt ist, greift über die rechte Seite an. Er sieht seinen Bruder Urs in der Mitte und will ihm den Ball zuspielen. Fehlpass. Wer hat Schuld? Urs, der Techniker, der sich zu wenig bewegt hat, oder Andy, der grasfressende Kämpfer, der einen ungenauen Pass gespielt hat? Die Brüder diskutieren das lautstark aus. In der Zwischenzeit erzielt Ostermundigen nach einem Konter ein Tor. Wohlen verliert am Ende mit 1:3 und verpasst den Aufstieg. Und Teamkollegen und Staff sind einen Moment lang sauer auf die Bächer-Brüder, die sich lieber gezofft haben, als zurückzurennen.

«Ich war auf dem Fussballplatz sehr aufbrausend und emotional. Jeden Pfiff musste ich mit dem Schiedsrichter ausdiskutieren», erzählt Andy Bächer lächelnd. «Heute würde ich in den meisten Spielen einen Platzverweis kriegen.»

Der Schulhausabwart und der Politiker

Seit Jahren lebt Andy Bächer mit seiner Frau Evi am Haldenrain in Wohlen. Etwas mehr als 200 Meter von seinem Wohnort befindet sind das Junkholz-Schulhaus, wo er jahrelang als Hausabwart gearbeitet hat. Die aufbrausende Art, die er auf dem Fussballplatz hatte, war auch den Schülern bekannt. Jeder wusste, dass es Ärger geben konnte, wenn beispielsweise ein Fussball vom Pausenplatz in Richtung Fensterscheibe fliegt und «de Bächer» das mitbekommt.

Gleichzeitig hatte er auch einen guten Ruf. Vor allem unter den Schülern, die Junioren beim FC Wohlen waren. Sie wussten, dass er auch anders kann.

Der mittlerweile 58-Jährige war 16 Jahre lang in Wohlen im Einwohnerrat tätig. Mit 32 Jahren wurde er in dieses Amt gewählt. Er teilte sich damals mit einer weiteren Politikerin die Ehre, der jüngste Einwohnerrat der Gemeinde zu sein. Später sollte er einmal der best- und einmal der zweitbestgewählte Einwohnerrat werden. Das beweist, dass sich Bächer auch in der Politik durchsetzen konnte, wo es manchmal auch Diplomatie und Fingerspitzengefühls bedarf.

Die «Bächer-Brothers»

Nur schon durch sein politisches Amt und durch seine Tätigkeit als Schulhausabwart im Junkholz war Andy Bächer eine kleine Lokalprominenz. Vor allem kennt man ihn im Dorf aber als langjährigen Fussballer des FC Wohlen.

Die Bächers sind eine der Familien in Wohlen, die man sofort mit dem Fussballsport und dem FCW in Verbindung bringt.

Der Vater von Andy und Urs Bächer war langjähriger FCW-Goalie. Willy Bächer, wie der ehemalige Keeper hiess, schloss sich mit seinen Brüdern zu einer Grümpelturnier-Mannschaft zusammen, den «Bächer-Brothers». Mit dabei waren auch die Kinder aller Brüder. Dazu gehörten auch Urs und Andy Bächer sowie deren Cousins.

Die Bächers, eine fussballverrückte Familie. Allen voran Urs und der zwei Jahre jüngere Andy. Später sollten auch Andys Kinder, Thomas und Steffi das blau-weisse Trikot des FC Wohlen tragen. Der FCW ist der Familie im Blut.

Die Verletzung und das Ende der Profi-Träume

Andy Bächer war den Wohlern nicht immer treu. In seiner Kindheit konnte man sich dem FC Wohlen erst ab dem C-Junioren-Alter anschliessen. Das tat er, wechselte aber kurz darauf zum FC Aarau, wo er in den B-Inter- und A-Inter-Juniorenklassen spielen sollte. Sein älterer Bruder Urs war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls beim FC Aarau. «Die Ausgangslage war aber eine andere. Urs hatte immer mehr Talent und die bessere Technik. Mit 17 stand er schon im Kader der ersten Mannschaft des FC Aarau», erklärt Andy Bächer. «Meine Qualitäten waren andere. Ich war der Kämpfer, derjenige, der Gras frisst.»

Das stört die Aarauer nicht. Mit 18 Jahren kann Andy Bächer mit dem Fanionteam mittrainieren. Einige Einsätze in Testspielen kommen dazu. Die Möglichkeit besteht, dass er längerfristig in die 1. Mannschaft aufgenommen wird. Der Traum platzt, als er einen Seitenbandriss und einen Kapselbruch im Knie erleidet. Es hiess, dass Bächer nach der Verletzung nie mehr Spitzensport treiben kann. «Dabei war ich danach genug lang Spieler in der 1. Liga.» Das Problem war: Um die Verletzung adäquat behandeln zu können, hätte man diverse Knochen noch einmal brechen müssen. Der Wohler hätte ein Lehrjahr wiederholen müssen. «Das wollte ich nicht. Mir hat es immer gefallen, zu arbeiten und daneben Fussball zu spielen. Und nur auf Fussball zu setzen und die Ausbildung zu riskieren, konnte ich mir damals nicht vorstellen.»

Rückkehr nach Wohlen und Vollgas bis zuletzt

Die Lehre hat er als Elektromonteur bei der Georges Müller AG in Wohlen absolviert. Die Zeit mit Lehre und Fussball in Aarau war eine sehr intensive und zeitaufwendige Phase.

Nach der Verletzung will Bächer nichts mehr riskieren. Mit 20 Jahren kehrt er zum FCW zurück und spielt rund 14 Jahre in der 1. Mannschaft. Daneben kann er immer arbeiten. «Mein Beruf, meine Familie und Fussball, das waren die wichtigsten Dinge im Leben für mich», erzählt er. Und verrät gleich, wie die Hierarchie war. So fand die Hochzeit mit seiner Frau im März statt. «Es lag noch Schnee, aber mir war es wichtig, einen Termin zu finden, an dem wir kein Spiel haben.»

Dann folgen Tätigkeiten als Spielertrainer der 2. Mannschaft, als Trainer des «Zwoi», als Spieler bei den Senioren und danach als Vorstandsmitglied. Später wurde Bächer noch Stadionverantwortlicher beim Bau des neuen Stadions, Teil der Baukommission der Sportanlage Niedermatten, Stadionchef und Vorstandsmitglied. Bis 2016 war er noch Vizepräsident. Seither ist er «nur» noch Ehrenmitglied.

Schöne Erinnerungen an die Fussballerzeit

Heute arbeiten Andy Bächer und seine Frau Evi seit rund zwölf Jahren in der Verwaltung der Alterssiedlung Chappelehof. Er unterrichtet ausserdem Werken in der Schule in Waltenschwil.

Die Zeit im Fussball ist nur noch eine schöne Erinnerung. Bächer erzählt von Mitspielern beim FC Aarau, die später den Sprung in die Nationalliga A schaffen sollten, wie Heinz Russheim oder Armando Granzotto. Letzterer ist aktueller Vizepräsident des AFV. Er berichtet von Gegenspielern aus der damaligen Zeit, wie Marco Schällibaum oder Marcel Koller. Und er erinnert sich an Weggefährten vom FC Wohlen, wie Werner Lüthy, Gerry Schmidli, Heinz und Bruno Fröhli und viele andere, die fussballerisch, menschlich oder in beiden Bereichen Spuren hinterlassen haben.

Nicht komplett loslassen

Diese Erlebnisse werden ihm immer bleiben. Auch wenn er sich seit seiner Demissioni aus dem FCW-Vorstand und dem freiwilligen Rückzug des Vereins aus der Challenge League etwas vom Fussball distanziert hat. «Auch wenn ich der Meinung bin, dass der FCW jetzt in der richtigen Liga ist und die Challenge League finanziell nicht zu stemmen war, tut der Rückzug immer noch weh.»

Er sagt, dass er nicht mehr weiss, wann er zum letzten Mal an einem Wohlen-Spiel war. Bei genauerem Nachdenken fallen ihm aber wieder einige Spiele aus der laufenden Saison ein. Zu Hause sowie auswärts. Sein Sohn Thomas ist mit dem Fussball verbunden, die Tochter Steffi ist Politikerin in der CVP. Beide wie ihr Vater. Mittlerweile hat Andy Bächer einen Enkel, der Fussball spielt. Schon macht sich der Grossvater Gedanken über das System im Schweizer Juniorenfussball. Der Sport lässt ihn nie komplett los. Der FC Wohlen auch nicht. Er ist und bleibt eben ein Fussballer.