Unterbruch, kein Abbruch

Die Amateurligen müssen erneut in Zwangspause – Was bedeutet das?

Der Bund hat wegen der Coronapandemie am Mittwoch neue Massnahmen bekannt gegeben. Sie betreffen auch den Amateursport. Im Fussball ruht der Ball ab der 1. Liga promotion runter bis zur 5. Liga. Die Verantwortlichen betonen, dass es sich um einen Unterbruch handelt und nicht um einen Abbruch.

Quelle: Josip Lasic, Wohler Anzeiger

Auf unbestimmte Zeit gibt es keinen Fussball im Freiamt zu sehen. Nur die Super und die Challenge League dürfen nach den neuen Massnahmen des Bundesrates weiterspielen. In allen anderen Ligen ruht der Ball. Vom Spiel- und Trainingsverbot des Bundes ausgenommen ist der Trainingsbetrieb mit Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren. Was bedeutet das für die Freiämter Clubs im Einzelnen?

FC Wohlen und FC Muri gehen eben in die Winterpause

1. Liga classic: Der Meisterschaftsbetrieb in der Promotion League und der 1. Liga classic mit dem FC Wohlen ist per sofort unterbrochen. Der Unterbruch wird wie eine vorgezogene Winterpause betrachtet. Ziel ist, dass die nicht ausgetragenen Partien der Vorrunde im Frühling nachgeholt werden. Der FC Wohlen geht auf dem 5. Rang also in der Winterpause. Auch die nächste Runde der Qualifikation zum Schweizer Cup findet für den FCW erst Ende März statt.

Romano Clavadetscher ist Präsident vom Komitee der 1. Liga. «Wir haben verschiedene Szenarien erarbeitet, wie wir die Meisterschaft beenden können. Je nachdem wie es die Situation rund um das Virus und die Witterungsbedingungen zulassen, können wir beispielsweise früher mit den Nachholspielen starten. Oder wir verlängern die Meisterschaft um einige Wochen», erklärt Clavadetscher. «Wir müssen flexibel sein und informieren rechtzeitig, wie es weitergeht.»

2. Liga interregional: Für den FC Muri sieht es ähnlich aus. Die Meisterschaftsspiele aus dem Herbst werden im Frühjahr 2021 nachgeholt. Ebenso die Cup-Qualifikationsspiele. Der FC Muri wäre am 4. November bei Sursee zu Gast gewesen für die erste Vorrunde der Cup-Quali.

Zwei Saisons nacheinander ohne Wertung?

Sandro Stroppa ist Präsident des Komitees der Amateurliga. «Uns bleiben jetzt mehrere Monate Zeit, in denen sich die Lage rund um das Virus hoffentlich beruhigt. Ziel ist es, dass die Saison zu Ende geführt werden kann.» Stroppa ist guter Dinge, dass das gelingt. Seiner Meinung nach wären zwei Saisons hintereinander ohne Wertung nicht gut für den Amateurfussball in der Schweiz. Sollte der Worst Case eintreffen und die Saison tatsächlich erneut abgebrochen werden müssen, hat der Schweizer Amateurfussball ab der Promotion League abwärts aber einen Plan B, wie die Spielzeit gewertet werden könnte (siehe Kasten).

AFV/IFV, 2. bis 5. Liga: Die restlichen Freiämter Clubs spielen von der 2. bis zur 5. Liga des Aargauischen Fussballverbandes beziehungsweise im Fall von Sins und Dietwil im Innerschweizerischen Fussballverband. Die Ausgangslage ist dort die gleiche wie in den oberen Ligen. Ausnahme: die 4. Liga im AFV. Dort wird bis zum Herbst in vier Gruppen à 14 Teams die Qualifikationsrunde bestritten. Im Frühling werden die Gruppen neu gemischt. Die ersten sieben jeder Qualifikationsgruppe spielen die Aufstiegsrunde, die zweiten sieben die Abstiegsrunde. Noch ist nicht überall klar, welche Teams in die Aufstiegsund welche in die Abstiegsrunde gehen. «Die entscheidenden Spiele werden genauso wie die fehlenden Partien im Aargauer Cup im Frühling nachgeholt», sagt AFV-Präsident Luigi Ponte. «Alle anderen Partien, in denen es nicht um Auf- und Abstiegsentscheidungen geht, erhalten eine Nullwertung.»

Der AFV informiert ausserdem in einem Communiqué, wie es nach dem Bundesratsentscheid bezüglich des Trainingsbetriebs im Aargau weitergehen soll: «Der Entscheid ermöglicht die Weiterführung des Trainingsbetriebs mit Junioren unter 16 Jahren. Der Aargauische Fussballverband (AFV) überlässt es den Vereinen, ob sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. ‹Normale› Fussball-Trainings mit Körperkontakt sind für Aktive, Senioren, Junioren A und B jedoch verboten, genauso wie Testspiele und Hallenturniere aller Kategorien. Sämtliche Bewilligungen für Turniere im Zeitraum des ausgesprochenen Spielverbots sind ungültig.» Ponte dazu: «Selbstständig darf sich jeder fit halten. Wir müssen jetzt aber etwas vernünftig sein. Das waren wir zuletzt als Gesellschaft zu wenig. Deshalb hat sich die Situation wieder verschlechtert. Es wird genug Zeit bleiben, vor dem Rückrundenstart wieder zu trainieren.»

Die Nachricht, dass der Amateurfussball wieder ruhen muss, ist negativ. Doch die Ausgangslage, dass die Meisterschaft diesmal beendet werden kann, ist deutlich besser als in der vergangenen Saison.


Was passiert bei Saisonabbruch?

Der Verlauf der Coronapandemie ist unvorhersehbar. Die Voraussetzungen, dass die Saison beendet werden kann, sind gut. Ein «Saisonabbruch» kann trotzdem nicht komplett ausgeschlossen werden. Damit die Meisterschaft dennoch gewertet werden kann, haben die Amateurligen einen Plan entwickelt. In der Hälfte aller Schweizer-Meisterschafts-Gruppen – Super und Challenge League nicht eingerechnet – muss die Hälfte der Spiele absolviert sein. Dann wird die Meisterschaft gewertet.

Beispiel: Die Promotion League zählt als eine Gruppe, die drei Gruppen der 1. Liga classic und die sechs Gruppen der 2. Liga interregional sind weitere neun Gruppen. Dazu kommen alle Gruppen von der 2. bis zur 5. Liga in allen 13 Regionalverbänden. Zusammengerechnet ergibt das 207 Gruppen. In 104 davon müsste die Hälfte der Meisterschaftsspiele ausgetragen werden, dann wird die Meisterschaft gewertet. Haben in einer Gruppe nicht alle Teams die gleiche Anzahl Spiele absolviert, wird ein Punktequotient errechnet. In Ligen, wo Auf- und Abstiegsspiele geplant wären, entscheidet die jeweilige Abteilung (Erste Liga, Amateurliga, Regionalverband), wie Auf- und Absteiger ermittelt werden. Bei all der Rechnerei bleibt zu hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt. –jl